
Gymnasium Münchenstein

Stabschrecken
Nicht wenige Insekten sind dafür bekannt, dass sie darauf vertrauen, allem möglichem zu ähneln, bloss nicht einem Insekt. Sie entziehen sich damit der Aufmerksamkeit der Vögel: Buckelzirpen sehen für alle Welt aus wie Dornen, andere Insekten passen sich nahezu perfekt an Rindenstrukturen an und werden übersehen oder sie werden für ungeniessbar gehalten, weil sie aussehen wie Raupenkot.
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Die hier gehaltenen Stabschrecken imitieren Zweige (Abbildung 1) und verhalten sich auch entsprechend: Sie können stundenlang bewegungslos verharren - sogar nach einer Störung. Jede Zweigimitation, die nach einer Berührung fortkrabbelt, verliert ihre Glaubwürdigkeit (und ihr Leben). Erst wenn es dunkel wird und die Vögel schlafen, werden die Stabschrecken aktiv und beginnen mit der Nahrungsaufnahme: Sämtliche Entwicklungsstadien, d.h. vom ersten Larvenstadium bis zur Imago (= adultes Tier; Stabschrecken sind hemimetabol), ernähren sich kauend von Pflanzen.

Abbildung 1
Im Terrarium mit Stabschrecken sehen Sie vermutlich nur Weibchen. Die Männchen sind klein, schlank und wären von den Weibchen begehrt, für die Fortpflanzung sind sie aber nicht unbedingt nötig. So bildet ein Weibchen auch ohne Paarung ein bis fünf Eier pro Tag, die sie recht unbekümmert in der Umgebung verstreut. Die Jungen schlüpfen in ihrer warmen Heimat Vietnam nach drei bis vier Monaten, bei Zimmertemperatur kann es auch ein halbes Jahr dauern. Stabschrecken werden bis zu einem Jahr alt.